Die Schausiedepfanne

Ursprünglich ernährte sich der Mensch als Jäger und Sammler von Wildkräutern und nahm damit zugleich das lebensnotwendige Salz auf, das diese von Natur aus enthielten. Mit der Sesshaftwerdung vor etwa 10.000 Jahren und dem Übergang zur Landwirtschaft reichte diese Salzquelle jedoch nicht mehr aus. Während sich an den Küsten warmer Meere natürliche Salzablagerungen bildeten, trat Salz in den kälteren Regionen lediglich in Form von Solequellen an die Oberfläche.

Der erste Schritt bei der Salzgewinnung aus Sole bestand daher stets in der Anreicherung ihres meist geringen Salzgehalts. Durch das Verrieseln der Sole im Gradierwerk verdunstete ein Teil des Wassers. Die so auf etwa 20 Prozent konzentrierte Sole wurde anschließend in großen Pfannen erhitzt, sodass das Salz auskristallisieren konnte. Im Salzsiedehaus sind zwar noch historische Siedepfannen erhalten, doch haben sie im Laufe der Zeit stark gelitten. Auch die in der Salzwerkstatt der Städtischen Museen angebotenen pädagogischen Mitmachprogramme können den historischen Siedeprozess nur im sehr kleinen Maßstab darstellen. Eine anschauliche Vermittlung der traditionellen Salzgewinnung war daher bislang nur eingeschränkt möglich.

Die_Schausiedepfanne

Seit seiner Gründung im Jahr 2010 hat der Verein einen langen Weg zurückgelegt. Dieser begann mit dem Betrieb einer mobilen Siedepfanne. Das darin gewonnene Salz, ansprechend in kleinen Säckchen verpackt, fand schnell großen Anklang bei den Besuchern. Bald zeigte sich jedoch, dass die Kapazität der mobilen Anlage nicht mehr ausreichte.

Aus diesen Gründen entschloss sich der Verein zum Bau einer festen Schausiedepfanne. Sie dient sowohl der anschaulichen Darstellung der historischen Methode des Salzsiedens als auch der Herstellung eines naturbelassenen, grobkörnigen Salzes. Die Siedepfanne ist etwa eineinhalb Meter groß, 25 Zentimeter tief und fasst rund 350 Liter. Sie wird elektrisch betrieben und verfügt über eine ausfallsichere Temperatursteuerung, die einen autonomen Dauerbetrieb bei etwa 65 Grad Celsius ermöglicht. Zum Schutz der Anlage und für einen gleichmäßigen Siedevorgang ist die Pfanne in einem gläsernen, nahezu „salzkristallinen“ Pavillon untergebracht. Dieser kann geöffnet werden, sodass Besuchergruppen bis dicht an die Pfanne herantreten und den Siedeprozess unmittelbar erleben können.

Die Baukosten der Schausiedepfanne beliefen sich – wie veranschlagt – auf 145.000 Euro:

Finanzierung / SpendenBetrag
NRW-Stiftung60.000 €
Stadtsparkasse Rheine10.000 €
Stadtwerke Rheine10.000 €
Stadt Rheine10.000 €
Crowdfunding15.000 €
Eigenanteil des Vereins40.000 €

Mit der Schausiedepfanne kann die Salzproduktion heute kontinuierlich durchgeführt werden. Leise und gleichmäßig köchelt die Sole, zu bestimmten Zeiten wird das Salz abgeschöpft. Sämtliche Arbeitsgänge sind für die Besucher gut einsehbar. Auch in Ruhephasen bleibt die Anlage mit der gefüllten Pfanne und den Salzverkrustungen ein eindrucksvolles Objekt, das seine Funktion und Geschichte anschaulich vermittelt. Die Schausiedepfanne stärkt die pädagogische Arbeit vor Ort und ergänzt das Konzept von Führungen und Bildungsangeboten. Mit dieser für Westfalen einzigartigen Anlage ist es gelungen, einen verloren gegangenen Arbeitsprozess in historischer Umgebung mit innovativen Mitteln wieder erlebbar zu machen und damit dauerhaft kulturell zu bewahren. Möglich wurde dies durch hohes ehrenamtliches Engagement und die umfassende Unterstützung städtischer Partner.