Der Kurbetrieb

Als die Grafen von Velen der Saline den Namen „Gottesgabe“ verliehen, verbanden sie damit die Hoffnung auf hohe Gewinne. Diese Erwartung erfüllte sich jedoch nie. Die Solevorkommen waren wenig ergiebig, zugleich verursachte die Anlage hohe Instandhaltungskosten. Mit der Aufhebung des preußischen Staatsmonopols im Jahr 1867 verschärfte sich zudem der Wettbewerb auf dem Salzmarkt erheblich, sodass die Saline Gottesgabe wirtschaftlich zunehmend unter Druck geriet.

Erste Überlegungen zur Einrichtung eines Badebetriebs gehen auf den damaligen Salineninspektor Dr. Winckler zurück, der 1877 die Heilwirkung der Bentlager Sole begutachten ließ. Die Umsetzung erfolgte jedoch erst elf Jahre später: 1890 wurde mit einem schlichten, einstöckigen Badehaus der Bade- und Kurbetrieb als Ergänzung zum Salinenbetrieb aufgenommen. In den zunächst eingeschossigen Flügelbauten wurden Wannenbäder verabreicht. Ab 1897 begann man mit einer Vergrößerung und zweigeschossigen Erweiterung des Badehauses, die 1906 abgeschlossen wurde.

Zur weiteren Entwicklung des als vielversprechend eingeschätzten Badebetriebs entstand in den Jahren 1900/01 direkt hinter dem Badehaus ein Kurhaus. Ziel war es, neben Tagesgästen auch Kurgäste für mehrtägige Aufenthalte zu gewinnen. Das großzügige Kurhaus im Landhausstil verfügte über zusätzliche Badeeinrichtungen, 30 Gästezimmer sowie entsprechende Gesellschaftsräume und war von einem parkähnlichen Garten umgeben. Zunächst an einen Gastwirt verpachtet, wurde es während des Ersten Weltkriegs als Lazarett genutzt. Im Jahr 1917 ging das Kurhaus in den Besitz der Barmherzigen Clemensschwestern zu Münster über.

Ergänzend wurde in den Jahren 1924/25 das Gertrudenstift errichtet, das den Clemensschwestern als Exerzitienhaus und Erholungsheim diente. Der dreigeschossige Backsteinbau im Stil einer münsterländischen Wasserburg mit reicher Werksteingliederung und markantem Turm prägte lange Zeit das Landschaftsbild Bentlages. 1972 entstand im Garten ein Schwesternwohnheim. Beide Gebäude wurden 2002 vom Bistum Münster übernommen und nach wirtschaftlicher Abwägung im Herbst 2003 abgerissen.

Kinderheim
Ehemaliges Kinderheim in Bentlage * Foto: Ulrich Wozniak

Ein weiterer Baustein des Kurbetriebs war das Kinderheim. Ziel des 1907 gegründeten Vereins „Kinderheim in Gottesgabe“ war es, eine Erholungsstätte „für blutarme, skrupulöse und rachitische Kinder minderbemittelter Bevölkerungsschichten“ zu schaffen. Auf Initiative des Salineninspektors Jesse und unter dem Protektorat der Fürstin Pauline zu Bentheim und Steinfurt wurde das nahezu vollständig aus Spendengeldern finanzierte Kinderheim 1910 eröffnet. Zum Kurprogramm gehörten Solebäder sowie das Inhalieren der salzhaltigen Luft am Gradierwerk. Während des Zweiten Weltkriegs als Lazarett genutzt, diente das Gebäude ab 1951 elternlosen Flüchtlingskindern und Kriegswaisen als Unterkunft. Seit 1970 wird es von der JOSEF-PIEPER-SCHULE, dem Bischöflichen Berufskolleg Rheine, genutzt.

Der Badebetrieb erreichte insgesamt keinen großen Umfang. Zwischen 1900 und 1916 wurden jährlich etwa 3.000 bis 8.000 Bäder verabreicht, im Kinderheim zwischen 1910 und 1935 sogar rund 6.000 bis 14.000 pro Jahr.

Bis zur Einstellung des Badebetriebs im Jahr 1975 wurden im Badehaus weiterhin Solebäder angeboten. Seit 1990 beherbergt das ehemalige Badehaus das Restaurant „Solbad Gottesgabe“, in dessen linkem Flügel noch Reste des historischen Badebetriebs erhalten sind.

Auch heute ist die heilsame Wirkung der Bentlager Sole unumstritten. Jährlich erstellt die Laborunion Prof. Dr. Holl eine Heilwasseranalyse. Aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung und physikalischen Eigenschaften wird die Bentlager Sole als „Natürliches Heilwasser“ eingestuft.