Das Salzsiedehaus
Die im Gradierwerk angereicherte Sole wurde in die großen Pfannen des Salzsiedehauses geleitet, wo sie zu Salz versotten wurde. Ursprünglich bestanden diese Pfannen aus Blei. Da das Material der starken Hitze jedoch nur wenige Wochen standhielt, mussten die Pfannen regelmäßig neu gegossen werden. Seit dem 16. Jahrhundert verwendete man daher Pfannen aus einzelnen Eisenblechen, die miteinander vernietet wurden. Die Fugen zwischen den Blechen dichtete man mit einem Gemisch aus Tierleber, Talg und Lehm ab.

Der eigentliche Siedeprozess gliederte sich in zwei Arbeitsgänge: das sogenannte „Stören“ und das „Soggen“. Das Stören diente sowohl dem Vorwärmen als auch der vollständigen Reinigung der Sole. Unter kräftigem Holzfeuer wurde die Sole zunächst zum Kochen gebracht. Durch die Zugabe einiger Näpfchen Rinderblut oder Eiweiß bildete sich – ähnlich wie beim Marmeladekochen – ein bräunlicher Schaum an der Oberfläche. Dieser nahm Verunreinigungen auf und wurde als sogenannter „Salzschmant“ abgeschöpft. Das Ende der Störphase erkannten die Sieder daran, dass sich feine Salzhäute auf der Oberfläche bildeten: Die Sole „ging zu Salze“.

Darauf folgte das Soggen. In dieser Phase durfte die Sole nicht mehr kochen, sondern sollte bei Temperaturen zwischen etwa 60 und 80 Grad Celsius ruhig stehen. Nach und nach kristallisierte das Salz an der Oberfläche aus. Dabei bildeten sich typische Kristallstrukturen, häufig in Form kleiner Hohlpyramiden. Der Siedeprozess konnte jedoch durch unerwünschte Stoffe gestört werden. Enthielt die Sole beispielsweise fetthaltige Bestandteile, bildete sich eine äußerst dünne, aber wirkungsvolle Haut auf der Oberfläche, die das Verdunsten des Wassers und damit die Kristallbildung verhinderte. In solchen Fällen setzten die Siedemeister sogenannte Scheidungsmittel ein, etwa Bier oder Branntwein, Harz oder Ruß. Die genaue Zusammensetzung dieser Mittel wurde streng geheim gehalten und vom Vater an den Sohn weitergegeben.

Die an der Oberfläche entstandenen Salzkristalle sanken schließlich auf den Pfannenboden und wurden in regelmäßigen Abständen mit Krücken an den Pfannenrand gezogen. Anschließend füllte man das Salz in Spitzkörbe aus Weidengeflecht. Nach dem Abtropfen wurde es zum Trocknen in die Salzmagazine gebracht.
