Ihr seid das Salz der Erde

Halitsalz aus Bernburg ist Teil der Ausstellung in St. Dionysius

Von Jules Vleugels vom 30.03.2020

Dieses Bild wurde am 14. März in der Münsterländischen Volkszeitung gebracht. Es zeigt Weihbischof Christoph Hegge beim Betrachten eines der Spiegel, die anlässlich ihres 500-jährigen Jubiläums zurzeit in der Dionysius Kirche aufgestellt sind. Aber was ist es, was Weihbischof Hegge da berührt, mag sich mancher gefragt haben und sich wahrscheinlich wundern jetzt zu erfahren, dass es sich ganz einfach um Salz handelt. Aber Salz ist doch weiß, oder? Und wieso liegt da so ein Brocken in dem Spiegel?

Der Osnabrücker Künstler Mario Haunhorst hat zum 500. Jahrestag der Fertigstellung der Kirche nicht nur die schon mehrfach bestaunten Himmelsschaukeln installiert, er hat zudem 12 Spiegel aufgestellt, die besondere Eindrücke der gotischen Rankenmalerei der Deckengewölben ermöglichen. Die zarten Weinranken stammen noch original aus dem 15. Jahrhundert als das Mittelschiff erbaut wurde. Auf einigen Spiegeln hat der Künstler zudem biblische Sprüche geschrieben und vor dem Altarraum hat er die bekannte Aussage Jesus‘ „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“ gestellt. Aber so wie eine Suppe ohne Salz einen sehr faden Geschmack hat, so braucht auch Jesus‘ Zeugnis eine symbolische Menge Salz, um anschaulich zu wirken. Somit wurde ich um R(h)eines Salz gebeten.

Nun ist das Salz der Saline Gottesgabe an sich schon etwas Besonderes, aber ich hatte vor Jahren mal das Glück in unserer Partnerstadt Bernburg in das dortige Salzwerk einzufahren. In fast 600 m Tiefe kam ich mir in den riesigen, durch Salzabbau entstandenen Hohlräumen, winzig vor. Ihre Dimensionen sind ohne Weiteres mit dem Innenraum der Dionysius Kirche vergleichbar, und weil sie ganz ohne stützende Pfeiler auskommen, wirken sie sogar noch größer. Man muss es erlebt haben, um den gewaltigen Eindruck nachzuempfinden. Kilometerweit geht es durch im Salz gehauenen Stollen und die ganze Welt um einen herum ist weiß. Aber vereinzelt glänzen im Scheinwerferlicht klar durchsichtige Einschüsse: reines Halit – eine kristalline Erscheinungsform des Natriumchlorids, die zeugt von einer sehr sauberen Zusammensetzung, ohne Beimengungen. Es spricht für sich, dass einige besonders schönen Brocken mit nach Rheine gingen. Und diese wecken jetzt das Interesse der Beobachter.

Mit seiner Aussage „Ihr seid das Salz der Erde“ hat Jesus zum Ausdruck gemacht, dass seine Jünger ganz besondere Personen waren. Das heute alltägliche und billige Salz, ist im Grunde kostbarer als Gold und Edelsteine. Ohne Gold und Juwelen können wir Menschen gut leben; ohne Salz ist kein menschliches Leben möglich. Das Salz verleiht der Ausstellung eine zusätzliche Dimension. Pfarrer Lemanski hat zu den interaktiven Doppelschaukeln gesagt: „Glaube ist nur im Miteinander möglich“ und das gemeinsame Miteinander erfüllt auch die Partnerschaften der Stadt Rheine mit Leben.

Foto: Bischöfliche Pressestelle / Gudrun Niewöhner

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