Rheine. Der Vorstand unseres Vereins ist ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen und so war es uns schon länger ein Bedürfnis, unserem Salz eine besondere Verwendung zu geben. Das gute Bentlager Salz könnte doch sicher auch Ernährungsmitteln die rechte Würze verleihen, zum Beispiel Brot. Eine passende Prise Salz ist wie das berühmte I-Tüpfelchen: es rundet den Geschmack ab.

Aber, die Suche nach einem Bäcker erwies sich als schwierig. Zwar hatte Vereinsmitglied Ulrich Veltmann schon vor Jahren den Kontakt zu der Firma Hellmich gelegt. Sie vertreibt Rohstoffe für kreative Bäcker in ganz Deutschland und legt dabei sehr großen Wert auf naturbelassene Zutaten. Aber die Salzgewinnung geschah damals noch unter erschwerten Bedingungen und die Erwartungen von Falko Hellmich, Inhaber der Firma, waren „eine Nummer zu groß“.

Mit dem Bau der neuen stationären Siedepfanne, bekam unser Verein dann deutlich mehr Spielraum, und als jetzt Falko Helmich wieder anklopfte, wurde schnell klar, dass wir uns auf gleicher Wellenlänge befinden. Beide sind wir bestrebt, den Menschen möglichst gesunde Ernährung zu bieten. Zu unseren Grundernährungsmitteln gehört Brot und ein gutes Brot braucht nur Mehl, Wasser, Salz und – möglichst wenig – Hefe. Weitere Zutaten wie künstliche Aromen, sind völlig fehl am Platz, denn aromatisch wird das Brot von selbst, vorausgesetzt man gibt den enthaltenen Enzymen und Bakterien genügend Zeit den Teig reifen zu lassen. Besonders bekömmlich wird Brot durch die Zugabe von Sauerteig, bei dem auf Hefe weitestgehend verzichtet werden kann. Und Hellmichs geben dem Teig dann eine Ruhezeit von 36 Stunden, bevor er in den Ofen geschoben wird.

Das grobe Salz der Bentlager Saline kommt demnächst in einem ganz besonderen Brot zum Einsatz, welches den Namen „Gottesgabe“ tragen wird. Es ist ein 100-prozentiges Dinkelbrot aus hiesigem Anbau und wirkt, mit seiner herzhaften Salzkruste, sehr appetitlich und schmeckt dementsprechend. Nur mit Butter bestrichen, verzichtet es gerne auf weiteren Aufschnitt, denn es hat einen köstlichen Eigengeschmack und einen Duft, der an Großmutters Zeiten erinnert.

Eine erste Kostprobe konnten Helmut und Gisela Goldmann genießen, als ihnen kürzlich zum Einzug in ihre neue Wohnung Brot und Salz gebracht wurden. Sie hatten sich dieses Vorrecht durch ihre langjährige Unterstützung der Vereinsaktivitäten verdient und wussten den Geschmack des Brotes „Gottesgabe“ sehr zu schätzen, zumal es auch nach drei Tagen noch eine wahre Gaumenfreude war. Für alle, die es jetzt kennenlernen wollen, wird es ab dem 16. November in dem Neubau der Firma Hellmich im Gewerbegebiet Baarentelgen, an der Dunlopstraße 1, zum Verkauf angeboten. Hier hat ein kleiner, aber feiner Brotladen Platz gefunden, der montags bis freitags von 12.00 bis 17.00 Uhr geöffnet haben wird. Und mit sieben weiteren Brotsorten wird es hier für jeden Geschmack den richtigen Laib geben.

Rheine. Im Laufe der Jahrhunderte haben Frauen zunehmend die traditionelle Vorrechtsstellung der Männer in Frage gestellt und darum gekämpft, dass den spezifischen Belangen von Frauen Beachtung geschenkt wurde. Für die am 3. Februar 1898 in Rheine geborene Maria Magdalena Murdfield war es zur damaligen Zeit schon eine Besonderheit, dass sie zuerst das Lyzeum in Rheine und danach die „realgymnasiale Studienanstalt der Ursulinen in Osnabrück“ besuchen konnte. Nach abgelegter Reifeprüfung studierte sie an den Universitäten Münster, Marburg und Rostock Geschichte, Latein, Französisch und English. Diesen beeindruckenden Studiengang krönte sie am 4. August 1922, als sie an der Wilhelmsuniversität Münster mit der Dissertation „Geschichte der Saline Gottesgabe bei Rheine“ die Doktorwürde erlangte.

Im Vorwort ihrer Doktorarbeit gibt Doktor Magdalena Murdfield an, dass „besonders die Lückenhaftigkeit des frühgeschichtliches Materials eine abgeschliffene Rundung von vornherein unmöglich machte, sie trotzdem eine zweckverknüpfte Darstellung von Zusammenhängen verschiedener Art versucht habe, deren Fäden, um nicht uns Leere zu verwehen, oft mit Außenrandereignissen versponnen werden mussten“. Dies ist ihr in weiter Hinsicht gelungen und ihre Arbeit somit nach wie vor von großem Wert.

Als kürzlich bei Jules Vleugels eine Führung an der Schausiedepfanne des Fördervereins Saline Gottesgabe unter dem Namen Murdfield gebucht wurde, lag es auf der Hand die ihm sehr wohl bekannte Doktorarbeit zu erwähnen. Dabei stellte sich zu seiner freudigen Überraschung heraus, dass die Führung vorrangig dem 80. Geburtstag von Frau Adelheid Magdalena Becker, geborene Murdfield, galt. Und diese Namensgleichheit mit der Doktorin Murdfield war nicht von ungefähr, denn diese war seinerseits die Patentante des jetzigen Geburtstagskindes. Somit wurde während der Führung nicht nur das Salz der Gottesgabe thematisiert, mit spritzig erzählten Anekdoten wusste das Geburtstagskind die Stimmung zu erheitern. Unter anderem erzählte sie, dass sich ihre Patentante immer sehr amüsiert habe, wenn mal wieder ihr späterer Ehemann mit „Herr Doktor“ angesprochen wurde und dieser auf seine „Frau Doktor“ verweisen musste.

 

 

  • Die diesjährige Mitgliederversammlung die am 23. Oktober 2020 um 19 Uhr in der Stadthalle Rheine stattfinden sollte, wird abgesagt!!

Liebe Freundinnen und Freunde der Saline Gottesgabe,

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Sonntag in ihrer Fernsehansprache auf den Ernst der jetzigen Corona-Lage hingewiesen. Sie hat an unser aller Vernunft appelliert und es als essenziell genannt – damit das Virus auf seinem Weg durch Deutschland verlangsamt wird – das öffentliche Leben soweit es geht herunterzufahren.

In diesem Lichte haben wir – als verantwortlicher Vorstand unseres Vereins – schweren Herzens den Beschluss gefasst, die für den kommenden Freitag in der Stadthalle geplante Mitgliederversammlung abzusagen. Demnächst werde ich Sie in einem persönlichen Schreiben über anstehenden Projekten und anderen Vereinsaktivitäten informieren.

Bleiben Sie bitte gesund!

Mit herzlichen Grüßen

Ihr/Euer

Jules Vleugels

 

Rheine. Klein – aber dennoch fein und absolut wichtig: In einem relativ kleineren Rahmen als gewöhnlich trafen sich die Vorstände der Städtepartnerschaftsvereine Rheine und Borne zum Austausch im Salzsiedehaus. „Auch in der Partnerschaftsarbeit hat die Pandemie in diesem Jahr einen Stillstand erzwungen“, sagte Reiner Wellmann, Vorsitzender des Rheiner Vereins, bei der Begrüßung. Alle geplanten Jugendbegegnungen, die Bürgerfahrten und der Austausch von Jugendbotschaftern mussten abgesagt werden. Um so wichtiger sei es, dass das Treffen mit den Freunden aus Borne wieder stattfinde.

Nach einem gemeinsamen Kaffeetrinken erläuterte Jules Vleugels den Gästen bei einem Rundgang die Geschichte der Salzgewinnung und der Saline Gottesgabe. Anschaulich und auf sehr informative Weise zeigte er an der Salzsiedepfanne, wie auch heute noch aus der Bentlager Sole das „weiße Gold“ gewonnen wird.

Anschließend überreichte Reiner Wellmann den Gästen aus Borne Säckchen mit Bentlager Pfannensiedesalz. Und die wiesen eine Besonderheit auf: Jules Vleugels hatte die Salzsäckchen mit einem Sonderdruck anlässlich des Partnerschaftstreffen beschriftet – was die Bornenser wiederum sehr freute.

Kürzlich berichtete die Münsterländische Volkszeitung vom Baufortschritt des neuen Kombibads, das nach seiner Fertigstellung im Frühjahr 2022 das bisherige Freibad an der Kopernikusstrasse ergänzen wird. Bürgermeister Dr. Peter Lüttmann mauerte, gemeinsam mit den Stadtwerke-Geschäftsführern Dorothee Heckhuis und Dr. Ralf Schulte-de Groot, eine Zeitkapsel in das Mauerwerk ein, um zeittypische Dinge für nachfolgende Generationen zu bewahren. Dabei war auch ein Säckchen mit „unserem“ Bentlager Salz und darauf sind wir sehr stolz, denn hiermit vergegenwärtigen sie zukünftiges Ansehen in der heutigen Wertschätzung. Sie sind allemal zum Wahrzeichen unserer Stadt geworden und sind in allen Herren Länder gegangen.

Durch wiederholte Einsätze der mobilen Siedepfanne des Vereins auf Hansemärkten und anderen touristischen Veranstaltungen, gingen die Salzsäckchen in viele deutschen Städten. Im Zeichen der Städtepartnerschaft gingen sie in das portugiesische Leiria, fanden im niederländischen Borne großen Anklang und wurden vor allem im litauischen Trakai als tastbares Zeichen der Verbundenheit begrüßt.

Die vom Verein seit seiner Gründung im Jahre 2010 wieder praktizierte Salzgewinnung, stieß auch beim WDR auf großes Interesse. Das Thema wurde mehrmals in Fernsehfilmen gezeigt, u. A. in „Wunderschön“ und „Lecker an Bord“ mit Björn Freitag. Diese TV-Reportagen finden immer noch großen Anklang, werden auch von anderen regionalen Kanälen ausgestrahlt und das führt des Öfteren zu Anfragen aus dem weiten deutschsprachigen Raum, ob wir auch Salzsäckchen verschickt würden. Die Gründe dazu sind mannigfaltig, sie reichen von Kindheitserinnerungen an Tagesausflügen nach Bentlage bis hin zu ökologischen und gesundheitlichen Gründen, und auf diesem Wege geht das Salz in alle Himmelsrichtungen.

Oft wurden die Salzsäckchen auf fernen Reisen mitgenommen. So war z. B. Ulrike Kuhn für den Senior Expert Service im Einsatz und brachte sie nach Tansania, Georgien und sogar in das ferne China. Außerdem gilt Salz in vielen Kulturen als Zeichen der Gastfreundschaft und so war es für Engelbert Nagelschmidt, der passionierte Langstrecken-Radfahrer, selbstverständlich Salzsäckchen als Gastgeschenke für seine  privaten Übernachtungen mit nach Amerika zu nehmen, wo er sie entlang des legendären „East Coast Greeenway“, wie später auch am „Highway One“  verschenkte. Ein besonderes Erlebnis hatte er in Neuseeland, denn die Schwiegertochter eines Farmers, der sich sehr über das Säckchen freute, war gebürtige Ostfriesin und mit der Saline Gottesgabe vertraut. Da kann man nur sagen: „Klein ist die Welt“.

Wann die jetzt eingemauerte Zeitkapsel in ferner Zukunft wieder ans Tageslicht kommt, ist ungewiss. Es wird den meisten unter uns wohl nicht vergönnt sein dann Zeuge zu sein. Aber Nils, unser jüngstes Mitglied, ist erst 17 Jahre alt. Vielleicht wird er es noch erleben. Bleibt zu hoffen, dass die Saline Gottesgabe auch dann noch ein wesentlicher Bestandteil des Miteinanders in unserer Stadt sein wird und das „weiße Gold“ aus Bentlage sich einen sogar höheren Stellenwert erfreut.

Rheine. Der Förderverein Saline Gottesgabe hat im Salinenpark Stelen mit Info-Tafeln aufgestellt. Sie geben dem Besucher kurze Informationen zu den Funktionen der Gebäude des Ensembles. Das Konzept dazu entstand bei der REGIONALE 2004. Damals wurde die Anlage der Saline Gottesgabe restauriert und es wurde von Museumsleiterin Dr. Mechthild Beilmann-Schöner das Konzept für die Führungen im Bentlager Dreiklang entwickelt. Zusätzlich zu den begleiteten Führungen, wurde eine Broschüre mit kurzen Texten geschrieben, welche es den Einzelbesuchern ermöglichte, die jeweiligen Funktionen der unterschiedlichen Objekte selbstständig zu erkunden. Die dazu gehörenden Markierungen im Gelände waren seitdem aber unansehnlich geworden, sodass Erneuerung notwendig geworden war. Der Förderverein Saline Gottesgabe fand sich bereit das Konzept neu zu gestalten und die Kosten zu tragen.

Auch das Bentlager Salzsiedehaus wird kurz und bündig erklärt.

Die alten Texte wurden überarbeitet, die Markierungssteine im Gelände durch hölzerne Stelen ersetzt. Sie tragen Info-Tafeln auf der ein Bild den Blick des Betrachters auf das betreffende Objekt lenkt, eine Bildunterschrift beschreibt dessen Hauptfunktion. Im Einklang mit Frau Birgit Rudolph, Geschäftsführerin von Rheine. Tourismus. Veranstaltungen, wurden auch Hinweise auf mögliche Führungen und die bestehenden Buchungsmöglichkeiten aufgenommen. Die drei Logos der verantwortlichen Akteure bringen die gegenseitige Verbundenheit zum Ausdruck.

Die Texte auf den Info-Tafeln sind bewusst kurz und bündig gehalten. Sie sollen Besuchern eine Handreichung sein, ihnen die historische Bedeutung des Ensembles vermitteln und ihre Neugierde auf Mehr anregen. Bekanntlich kommt „Appetit beim Essen“ und einmal auf den Geschmack gebracht, wird manchem vereinzelten Besucher die Idee kommen, dass die historischen Gebäuden der Saline Gottesgabe ein ansprechendes Ziel für eine Gruppenführung mit Freunden bietet. Jetzt gilt es auch die Kloster- und Naturroute aufzuarbeiten.

Als Gästeführer reichen in der Regel ein Name und vielleicht Einiges zu seiner Person, um den persönlichen Kontakt mit den Gästen herzustellen. In der Regel ja, aber was tun, wenn die Zuhörer blind sind und einen nicht sehen können? Dann dürfte es notwendig sein, sich etwas genauer zu beschreiben, so im Sinne von: ich bin 1.80 m groß, fast 80 Jahre alt und meine graue Kurzhaarfrisur lichtet sich schon sehr.

Als Clara Kohls, unermüdliche Verfechterin der Interessen der Mitglieder des Blinden- und Sehbehindertenvereins Rheine, anfragte ob eine Führung an der Saline Gottesgabe möglich sei, war ich mir klar, dass ich damit Neuland betreten musste. Es galt einen Weg ohne große Obstakel zu wählen, die Gäste am Gradierwerk mehr zu bieten als das Plätschern der heruntertröpfelnden Sole und ihnen grobkörniges Salz „in die Hand“ zu geben. Und somit führte ich die Gruppe auf den nördlichen Steg, wo es mir leicht fiel anhand der ertastbaren Baumkronen die Brücke zum ehemaligen Kurbetrieb zu schlagen. Am Gradierwerk konnten sie die gestapelten Schwarzdornbüsche erkunden und sich ein Bild der Wirkung von Wind und Sonne machen.

Apropos Sonne, die schien unbarmherzig und bei etwa 38 Grad im Schatten wurde auf einen Besuch an der heißen Salzsiedepfanne im gläsernen Pavillon verzichtet. Im Salzsiedehaus war die Temperatur merkbar angenehmer und bei einer von Frau Kohls gereichten Erfrischung, ertasteten die Gäste die für eine fachmännische Siedung so typischen pyramidalen Salzkristalle. Es war schon erstaunlich, wie sie das mit den Fingern Erstastete in ein imaginäres Bild umzuwandeln verstanden. Eine lebhafte Diskussion zu den verschiedenen Aspekten der historischen Salzgewinnung rundete den Besuch ab und mir viel ein Stein vom Herzen, weil es mir wohl gelungen war, die Saline Gottesgabe greifbar zu beschreiben.

Rheine. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, oder anders gesagt: In der persönlichen Geschmacksfrage kann es kein „richtig“ oder „falsch“ geben; sie liegen jenseits aller Beweisbarkeit. Geschmack spielt in unserem Leben aber eine wichtige Rolle. Schon Neugeborene zeigen sich deutlich geschmacksorientiert. Etwas Süßes oder leicht Salziges auf der Zunge zaubert ein Lächeln hervor, Bitteres und Saures hingegen werden mit einer abweisenden Mimik erwidert. Damit wird der Grundstein für weiteres Geschmacksempfinden gelegt und in der heutigen Lebensmittelindustrie wird ständig versucht, den richtigen Geschmack des Kunden zu treffen. So hat auch die Firma Apetito ein Versuchslabor, in dem neue Speisen zusammengestellt werden. Mittels Geschmacksproben im betriebseigenen Restaurant wird getestet, wie gut der Geschmack der Kunden getroffen wurde, bevor das neue Gericht in die Produktionspalette aufgenommen wird.

Solche „Feldversuche“ werden aber stark von den begleitenden Umständen beeinflusst und müssen als nicht eindeutig eingestuft werden. Zunehmend befasst sich deshalb die Forschung damit, bei der Prüfung von Lebensmittel störende Faktoren auszuschließen und deren Wirkung auf unseren Sinnen objektiv zu beurteilen. Die verschiedenen Facetten dieser Wissenschaft fasst man zusammen unter dem Begriff „Sensorik“, sie ist das Bindeglied zwischen dem industriellen Produkt und der humanen Akzeptanz.

Auch an der FH Münster wird diese Studienrichtung geboten und hier gilt Prof. Dr. Guido Ritter als anerkannter „Oecotrophologe“. In einem Versuchslabor bietet er Studierenden bestmögliche Voraussetzungen für die praktische Anwendung der Studieninhalte: die Beschreibung und Beurteilung der sensorischen Einflüsse von Lebensmitteln auf unsere Gesichts-, Tast-, Geruchs-, Geschmacks- und Gehörsinn.

Zu Besuch in Bentlage wurde Professor Ritter gebührend vom Rheiner „Salzbaron“ empfangen und ausgiebig informiert. Ritter erkannte den historischen Wert der Saline Gottesgabe und sah ausgezeichnete Möglichkeiten, die im Lernlabor erworbenen Einsichten praxisorientiert anzuwenden. Salz wird im Lebensmittelbereich als dominanter Geschmacksgeber und -verstärker eingesetzt. Schade nur, dass dabei alle in den natürlichen Salzstätten enthaltenen und für den Körper wertvollen Spurenelemente chemisch entfernt werden. Das vom Förderverein gewonnene Salz dagegen ist naturbelassen und bildet somit eine optimale, zumal regionale, Grundlage für forschungsmäßige Versuche. Andererseits dürfte die Kooperation von Professor Ritter mit dem Förderverein, interessante Möglichkeiten bieten die im Frühjahr gestartete Vortragsreihe zum Thema „Salz ist gesund“, mit neuem Elan fortzusetzen.

Rheine. Wäre Corona nicht gewesen, dann hätte der Verein zur Förderung der Saline Gottesgabe am Sonntag sein zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Am 29. April 2010 gründeten namhafte Bürger unserer Stadt den Verein, mit dem Zweck, die historische Methode des Salzsiedens zu erforschen, die Erhaltung des wertvollen Denkmals zu fördern und zur Instandhaltung der Saline Gottesgabe beizutragen.

Zurückblickend darf gesagt werden, dass der Verein diese sich selbst gestellten Aufgaben mit Leben erfüllt hat. Die Erforschung der historischen Methode des Salzsiedens hat durch aktive Teilnahme an wichtigen internationalen Veranstaltungen und Kongressen zu wertvollen Kontakten geführt. Mit der vereinseigenen mobilen Siedepfanne wurde weit über die Region hinaus publikumswirksam Werbung für unsere Stadt gemacht.

Die Säckchen mit dem Salz aus Bentlage sind weltweit in allen Herren Länder gegangen und zum Wahrzeichen der Emsstadt geworden. Die im Jahre 2017 erbaute Schausiedepfanne fand eine breite Unterstützung, was als Wertschätzung für die Vereinsarbeit gelten darf. Mit der neuen Errungenschaft wurden das sehr erfolgreiche Führungsangebot des Bentlager Dreiklangs und die hoch geschätzten pädagogischen Programme der Salzwerkstatt ergänzt.

Mitglieder des Vereins setzen sich nach wie vor ein für die Pflege der Anlagen und tragen zum Erhalt der historisch wertvollen Substanz der Saline Gottesgabe bei. Alle vom Vorstand angedachten Aktivitäten wurden von den Mitgliedern unterstützt, der Zusammenhalt im Verein ist groß.

Schon vor Monaten begannen die Vorbereitungen für das zehnjährige Jubiläum; der Verein hat allen Grund stolz auf die vergangenen Jahre zurückzublicken und dem entsprechend sollte das Erreichte auch gewürdigt werden. Als Gastsprecherin während der Feierstunde im Salzsiedehaus hatte der Verein Frau Carina Gödecke, I. Vizepräsidentin das Landtags NRW, gewinnen können, und auch der stellvertretende Landrat sowie Bürgermeister Peter Lüttmann hätten ein Grußwort gesprochen. Beim anschließenden Empfang hätten alle Gäste gemeinsam das Glas auf ein sehr erfolgreiches Jahrzehnt heben können. Der Nachmittag hätte der Öffentlichkeit gedient und das variierte Programm hätte mit Unterstützung der Salzwerkstatt der Städtischen Museen und des Bentlager Dreiklangs Jung und Alt begeistert.

Dass diese Feier nicht stattfinden kann, ist jedoch im Angesicht der Corona-Krise nur ein verhältnismäßig kleines Übel. Es gibt gewiss schlimmeres und der Vorstand wünscht in diesem Sinne allen eine gute Gesundheit und die erforderliche Kraft, den Lebensmut nicht zu verlieren.

Dieses Bild wurde am 14. März in der Münsterländischen Volkszeitung gebracht. Es zeigt Weihbischof Christoph Hegge beim Betrachten eines der Spiegel, die anlässlich ihres 500-jährigen Jubiläums zurzeit in der Dionysius Kirche aufgestellt sind. Aber was ist es, was Weihbischof Hegge da berührt, mag sich mancher gefragt haben und sich wahrscheinlich wundern jetzt zu erfahren, dass es sich ganz einfach um Salz handelt. Aber Salz ist doch weiß, oder? Und wieso liegt da so ein Brocken in dem Spiegel?

Der Osnabrücker Künstler Mario Haunhorst hat zum 500. Jahrestag der Fertigstellung der Kirche nicht nur die schon mehrfach bestaunten Himmelsschaukeln installiert, er hat zudem 12 Spiegel aufgestellt, die besondere Eindrücke der gotischen Rankenmalerei der Deckengewölben ermöglichen. Die zarten Weinranken stammen noch original aus dem 15. Jahrhundert als das Mittelschiff erbaut wurde. Auf einigen Spiegeln hat der Künstler zudem biblische Sprüche geschrieben und vor dem Altarraum hat er die bekannte Aussage Jesus‘ „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“ gestellt. Aber so wie eine Suppe ohne Salz einen sehr faden Geschmack hat, so braucht auch Jesus‘ Zeugnis eine symbolische Menge Salz, um anschaulich zu wirken. Somit wurde ich um R(h)eines Salz gebeten.

Nun ist das Salz der Saline Gottesgabe an sich schon etwas Besonderes, aber ich hatte vor Jahren mal das Glück in unserer Partnerstadt Bernburg in das dortige Salzwerk einzufahren. In fast 600 m Tiefe kam ich mir in den riesigen, durch Salzabbau entstandenen Hohlräumen, winzig vor. Ihre Dimensionen sind ohne Weiteres mit dem Innenraum der Dionysius Kirche vergleichbar, und weil sie ganz ohne stützende Pfeiler auskommen, wirken sie sogar noch größer. Man muss es erlebt haben, um den gewaltigen Eindruck nachzuempfinden. Kilometerweit geht es durch im Salz gehauenen Stollen und die ganze Welt um einen herum ist weiß. Aber vereinzelt glänzen im Scheinwerferlicht klar durchsichtige Einschüsse: reines Halit – eine kristalline Erscheinungsform des Natriumchlorids, die zeugt von einer sehr sauberen Zusammensetzung, ohne Beimengungen. Es spricht für sich, dass einige besonders schönen Brocken mit nach Rheine gingen. Und diese wecken jetzt das Interesse der Beobachter.

Mit seiner Aussage „Ihr seid das Salz der Erde“ hat Jesus zum Ausdruck gemacht, dass seine Jünger ganz besondere Personen waren. Das heute alltägliche und billige Salz, ist im Grunde kostbarer als Gold und Edelsteine. Ohne Gold und Juwelen können wir Menschen gut leben; ohne Salz ist kein menschliches Leben möglich. Das Salz verleiht der Ausstellung eine zusätzliche Dimension. Pfarrer Lemanski hat zu den interaktiven Doppelschaukeln gesagt: „Glaube ist nur im Miteinander möglich“ und das gemeinsame Miteinander erfüllt auch die Partnerschaften der Stadt Rheine mit Leben.